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  • Community-Übersetzungen mit Google Translate

    Es ist der Traum eines jeden Budgetverantwortlichen: „Wir stellen den zu übersetzenden Text ins Internet und die Community macht den Rest. Bei Wikipedia klappt das doch auch und bei dem ganzen Open-Source-Kram. Die Leute machen das umsonst.“ Facebook setzt schon voll auf die Community bei diesen Dingen.

    Google Translate

    Bevor ich weiter in die „Ja, aber im professionellen Umfeld kann man doch nicht…“-Diskussion einsteige, gehe ich einen Schritt zurück und widme mich einer der aktuellsten Google-Neuheiten: Google Translate (oder „Google Übersetzer“ wie er auf Deutsch heißt).

    Google hat ein neues Tool mit einem neuen Ansatz entwickelt:

    Wir geben unzählige Texte mit Milliarden von Wörtern in den Computer ein. Dabei handelt es sich sowohl um einsprachigen Text in der Zielsprache als auch um abgeglichene Beispielübersetzungen von Menschenhand. Anschließend wenden wir statistische Lerntechniken zur Erstellung eines Übersetzungsmodells an. Bei den Auswertungen haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. (Quelle)

    Google-Translate ist ein Online-Übersetzungsservice, den jedermann ziemlich einfach nutzen kann.

    Übersetzen lassen

    Man kann eine Übersetzungsfunktion in seine Homepage einbinden, die es den Lesern ermöglicht die Seite mit 2 Klicks in einer anderen Sprache anzeigen zu lassen.

    Um eine Webseite in einer völlig fremden Sprache wenigstens ein bisschen zu verstehen, ist das oft schon genug. Hier und da ist die Satzsstellung nicht ganz korrekt, aber wie bei einer Unterhaltung mit einem fremdsprachigen Menschen, kann man sich auch erstaunlich viel zusammenreimen / ableiten. Dennoch stößt man noch auf genug der eher ulkigen Sätzen, die noch zeigen, dass eine automatische Übersetzung nicht an einen Muttersprachler heranreicht. Das sagt Google aber auch selbst klipp und klar. Diese Funktion erschließt einem also einen noch viel größeren Teil der im Netz verfügbaren Information.

    Selbst übersetzen

    Soweit die eher passive Komponente. Kommen wir zu dem Teil bei dem man als Teil der  Community aktiv werden  kann.

    1. Hierzu installiert man die Google Toolbar in seinen Browser.
    2. http://translate.google.com/translate_tools?hl=de aufrufen.
    3. Die Schaltfläche mit der gewünschten Zielsprache (also die Sprache in die man übersetzen möchte) auf die Lesezeichenleiste (Anmerkung an Google: Fehler in der Doku: Toolbar wird hier falsch verwendet) ziehen.
    4. Eine Seite aufrufen, die man übersetzen möchte (hier www.idratherbewriting.com).
    5. Danach auf den Link in der Lesezeichenleiste klicken.

    Nun wird die Seite vorübersetzt, sofern möglich, angezeigt. Sobald man seine Maus über einen Absatz bewegt, bekommt man die Möglichkeit eine bessere Übersetzung einzugeben.

    Klickt man auf den Link, öffnet sich direkt ein kleines Eingabefeld, in das man die Übersetzung eingeben kann. Die Übersetzung landet nach dem Abschicken im Übersetzungsppol von Google.

    An diesem Punkt gibt man selbst eine völlig neue Übersetzung ein und hat keine Möglichkeit auf ein TM zuzugreifen, das einem z.B. 80%-Matches anzeigt. Google will hier vor allem soviel Übersetzungssegmente wie möglich sammeln.

    Fazit

    Aktuell ist es ein Tool, dass es einem ein manches Mal vielleicht ein bisschen einfacher macht auf fremdsprachigen Seiten zu surfen. Ein Szenario, dass eine Firma ihre Kundenwebseite gar nicht mehr übersetzt, sondern einfach nur Google Translate einbindet, scheint mir utopisch. Denn man kann hier nie 100%ig gewährleisten, dass nicht doch Müll auf der Seite steht.

    Und bei Googles eigenen, automatisch übersetzten Seiten hätte ich im Übrigens gerade sehr gerne eine korrekte Übersetzung ins Deutsche eingegeben oder versteht das jemand? 😀

    In solchen Fällen können Sie ein Translation Memory mit einer Übersetzung, indem Sie folgende Schritte Gesellschafterin

    Nachdem ich mir nun Google Translate für jedermann angeschaut habe, kommt demnächst die Profi-Version dran: Google Translator’s Toolkit.

  • tekom-Jahrestagung 2008 #3

    Translation Reuse Strategies

    von Hans Pich

    Eigentlich wollte ich in den Vortrag zu DITA, XLIFF und Co., aber irgendwie bin ich durcheinander gekommen, aber thematisch war auch dieser Vortrag durchaus auch nicht verkehrt 😉

    Zuerst hatte ich erwartet, dass einfach wieder über den tollen Einsatz von TMS und blablabla erzählt wird. Der Ansatz von Herrn Pich ging zwar natürlich in die Richtung, aber die Kernaussage war, dass auch die ganze Systemlandschaft aus CMS, TMS, Terminologiedatenbank und was man sonst so hat, einen nicht davor retten kann, dann man schlechte Übersetzungen hat bzw. Übersetzungen, die man doch nicht wiederverwenden kann.

    Folgende Probleme sind bei der CMS-TMS-Kombi da:

    • Kontextarmut/Stückeltexte: hat man ein CMS eine Weile in Betrieb, kriegt die Übersetzung irgendwann nur noch Textteile und nicht mehr vollständige Texte. Eigentlich ist es ja ein Vorteil, das man nur noch Dinge zur Übersetzung weiterleitete, die sich auch geändert haben, aber so völlig ohne Kontext hat es ein Übersetzer echt schwer. Damit kann sich die Textqualität der Übersetzung ungewollt verschlechtern.
    • Inkonsistenz/Sprachentwicklung: diese Überlegung war mir völlig neu, ist aber sehr schlau. Einzelne Textfragmente / Wörter, /Wendungen die heute noch passend und aktuell sind, könnten in 10 Jahren völlig out-of-date sein. Bloß, wie findet man diese wieder, wenn sich an der Quelle nichts geändert hat und damit nichts zur erneuten Übersetzung kommt, wo dies vielleicht angepasst würde. Als Beispiel wurde die polnische Sprache genannt, die sich in den letzten Jahren wohl signifikant entwickelt hat.
    • Übersetzungsfehler: das schlägt in die ähnliche Kerbe, wie die Sprachentwicklung. Was erst einmal im CMS bzw. TMS drin ist, bleibt auch drin.

    Folgende Wege aus dem Dilemma, dass Tools alleine nicht helfen, gibt es hier:

    • Qualität folgt aus Qualifikation
      • ausgebildete Redakteure
      • technische Übersetzer
    • Semantisch vollständige Informationseinheiten an Übersetzer geben!
    • Übersetzungsgerechte Quelltexte produzieren
    • Definierte Quellterminologie
    • Lokalisierungsangaben
    • Styleguides

    Damit stehen die Chancen höher, dass  man Qualität in CMS und TMS reinpumpt. Und man will ja auch schließlich nur Qualität wiederverwenden.

    Bei der Auswahl der Übersetzer sollte man ebenfalls sehr sorgfältig sein, z.B. site visits machen, um zu sehen wie die arbeiten. An dieser Stelle folgte dann eine Frage aus dem Publikum: Was mache ich, wenn mein Übersetzer seine Texte lieber in Excel haben will als in einem TMS-Format? Hab ich den falschen Übersetzer oder mache ich was falsch? Klar, was da die Antwort war 😉

    Fazit

    Über Reuse hat man jetzt nicht viel gehört, sondern eher was über Qualitätssicherung. Für mich war das meiste nichts Neues, aber für die Manager und Führungskräfte denen man als Redaktion diese Dinge verkaufen muss, sicherlich gute Denkansätze. Am Ende hat es mich halt doch geärgert, dass ich den DITA+XLIFF-Vortrag verduselt habe…