Kategorie: Erweiterter Horizont

  • Gelesen: DITA Best Practices

    Vor kurzem ist das Buch DITA Best Practices: A Roadmap for Writing, Editing, and Architecting in DITA von Laura Bellamy, Michelle Carey und Jenifer Schlotfeldt erschienen. Bei dem Wort „Architecting“ im Untertitel bin ich hellhörig geworden, denn die meisten Bücher, die derzeit auf dem Markt sind beschäftigen sich entweder stark mit den Basics (Warum soll ich DITA verwenden?) oder mit der Autorensicht (Wie schreibe ich in DITA?). Das ist zwar nicht verkehrt, aber viele weitere Infos musste man sich bisher dennoch eher im Netz zusammensuchen.

    Part I: Writing in DITA

    Dies ist der erste Teil des Buchs und handelt wie der Titel schon sagt alle Basics rund um das Schreiben mit DITA ab. Für jeden Topictyp gibt es ein einzelnes Kapitel in welchem anhand von konkreten Beispielen die wichtigsten Elemente gezeigt werden und eben auch Tipps, wie sie am besten zu nutzen sind. Manche Dinge sind ja z.B. aus der DITA-Referenz nicht unbedingt ersichtlich, wie z.B. der Unterschied zwischen choices und choicetable. Die Autorinnen benennen konkret in welchem Fall welches Element geeignet ist.

    Und einer der wichtigsten Sätze in diesem Zusammenhang ist vielleicht dieser:

    Avoid using  […] elements simply because they’re available.

    DITA bietet wirklich eine riesige Fülle an Elementen, aber man muss sie gar nicht immer alle verwenden.

    Ein besonderes Augenmerk legen die Autorinnen auf die shortdesc (short description) und so bekommt dieses unscheinbare Element ein eigenes Kapitel. Der Grund dafür ist, dass der Inhalt dieses Elements das erste ist, was der Nutzer zu sehen bekommt. Dieser Text erscheint in den Suchergebnissen oder Linkübersichten und  hilft dem Nutzer so zu entscheiden, wohin er navigieren soll. Das Kapitel enthält viele nützliche Negativ-und Positivbeispiele für short descriptions

    Part II:  Architecting Content

    Dieser Teil hat mich schlichtweg begeistert und hätte mir vor 4 Jahren ziemlich viel Recherchearbeit abgenommen. Hier verlässt man die reine Autorenschiene von Teil 1 und befasst sich wirklich mit dem Eingemachten von DITA. Es gibt eine sehr ausführliches Kapitel über Maps; wie man diese am besten aufbaut und welche Möglichkeiten man generell in Maps hat. Weiter geht es mit den verschiedenen Arten des Verlinkens in DITA, also Related links, relationship tables etc.

    Und dann kommen natürlich auch die Themen Metadaten, conditonal processing und Wiederverwendung dran.

    Fazit

    Zuerst muss ich noch erwähnen, dass das Buch noch einen 3. Teil namens „Converting and Editing“ enthält, den ich allerdings noch nicht gelesen haben.

    Jedoch finde ich die ersten beiden Teile des Buchs schon so gelungen, dass der Teil nun auch nicht so schlecht sein wird 😉 Das Buch besticht auf jeden Fall durch sehr viel Praxisorientierung und hält sich nicht lange mit irgendwelchen Grundlagen und Randinformationen auf: es gibt viele Beispiele, wie sie auch im Redaktionsalltag auftreten können, und sehr gut finde ich die Checklisten am Ende jedes Kapitels, die nochmal alles gut zusammenfassen und somit eine gute Referenz für den Alltag darstellen.

    Das Buch enthält allerdings keine Informationen zum DITA Open Toolkit und dem großen Thema Ausgabeformate, aber das hätte auch nicht wirklich in das Konzept gepasst, denke ich.

    Kurzum: Ich empfehle dieses Buch absolut, wenn man einen Rundumschlag von der Autoren- bis hin zur Informationsarchitekten-Ebene möchte.

  • Wiederverwendbarkeit um jeden Preis?

    Das Prinzip der Wiederverwendbarkeit ist etwas, das die Software-Entwicklung und die technische Redaktion gemein haben: Redundanz ist böse 😉

    Deswegen macht es mir auch eher Spaß Entwicklern zu erklären, worum es bei meiner Arbeit vor allem geht: sie verstehen nämlich (meistens) ziemlich schnell, welche Probleme wir als Redakteure haben (und warum es Probleme sind!) und wie man die dann z.B. durch Verwendung von XML lösen kann.

    Die Kolumne „Be pragmatic, not dogmatic“ von Joachim Arrasz hat mich an einige Gedankengänge und Diskussionen zum Thema Wiederverwendung in der Doku erinnert. Die Essenz der Kolumne ist, dass man nicht um jeden Preis immer alles standardisiert und wiederverwendbar machen sollte. Denn am Ende könnten die Mühen dafür höher sein, als der eigentliche Nutzen.

    Ich habe so einen Fall z.B. selbst erlebt/produziert. Als ich entdeckte, dass man in DITA auch auf Map-Ebene wiederverwenden kann und so also z.B. einzelne Kapitel wiederverwenden kann, war ich im Wiederverwendungshimmel. Also habe ich die Hilfe, an der ich damals schrieb, sehr sorgfältig in etliche Maps unterteilt – ich könnte es ja mal wiederverwenden. Der Nachteil an der Sache war, dass es nicht so ganz einfach ist den Überblick über so viele Sub-Maps zu behalten. Man muss nach ein paar Wochen erst einmal wieder durchschauen, was wohin referenziert wird etc.

    Das Ende vom Lied war, dass ich bis zuletzt keine einzige dieser Maps wiederverwendet habe und mich eigentlich immer geärgert habe, wenn ich mit den vielen kleinen Maps arbeiten musste.

    Fazit

    Joachim sagt in seinem Artikel:

    Die „spätere mögliche Nutzbarkeit“ ist für mich sogar ein Showstopper. Dieses Argument habe ich schon so oft gehört, dass es mir in den Ohren klingelt. An dem Tag, an dem diese Wiederverwendbarkeit wirklich greifen würde, kann man immer noch das Refactoring anstoßen und sich zu diesem Zeitpunkt den Mehraufwand einholen.

    Ich denke, man muss einfach sorgfältig nach Anwendungsfall entscheiden wie stark man seinen Standards bis zum Ende folgt. Das spätere Umarbeiten (Refactoring) kann durchaus günstiger sein. In meinem Fall wäre es sinnvoller gewesen auf den konkreten Anwendungsfall zu warten und dann eben Zeit zu investieren, die Maps umzustrukturieren.

  • tekom 2011 – Content Strategy

    Auf der Jahrestagung 2011 gab es die so genannten Trendthemen, welchen dann jeweils ein gesamter Vortragsstrang an einem Tag gewidmet wurde: „Mobile Dokumentation“ und „Content Strategy“. Von ersterem Thema habe ich leider gar nichts mitbekommen, weil ich zum Einen auf  einem 1,5stündigen Workshop war und zum Anderen dann parallel stattfindende Vorträge vom Thema her bevorzugen musste. Sehr schade, aber das war mein persönliches Pech.

    Dafür habe ich dann mehrere Vorträge der „Content Strategy“-Reihe mitgenommen, die von Scott Abel moderiert wurde, der im Übrigen auch eine sehr tolle Keynote zur Tagung gehalten hat, die auch sehr in Richtung Content Strategy ging.

    Ich habe mal ein paar Schnipsel zu dem Thema festgehalten, die sich mir eingeprägt haben.

    „Technical communication IS marketing even if it doesn’t know it’s marketing.“ (Scott Abel)

    Der Satz hat mir unheimlich gut gefallen. Das Hilfeangebot ist ab dem Produktkauf DIE eine Kommunikationsschnittstelle zum Kunden. Ab diesem Zeitpunkt sind im Marketingunterlagen und die Webseite egal, denn nun geht es an die Produktnutzung. Und es ist fatal, dass diese Kommunikation häufig vernachlässigt wird, weil es „nur die Doku ist“, denn sie hat die Chance den Kunden in einer negativen Situation mit dem Produkt eventuell nochmal positiv zu stimmen. Und wir alle lieben doch zufriedene Kunden 😉

    „The user doesn’t care about your org chart.“ (Noz Urbina)

    Der Nutzer hat immer eine ganzheitliche Produktsicht – im Gegensatz zu den Firmen selbst, die sich häufig in historisch gewachsenen Strukturen verstricken und darüber vergessen, wie es dem Nutzer eigentlich so geht. Dem ist es egal wie eine Firma organisiert ist, am Ende braucht und will der Kunde eine Produkterfahrung aus einem Guss. Das heißt z.B., dass überall dieselben Informationen erhältlich sein müssen.

    „Software does not only act on content – it provides content.“ (Ray Gallon)

    Ray zielt hier darauf ab, dass heutzutage eine größere Verschmelzung zwischen der Software- und der Content-Welt besteht. Software ist heutzutage eben auch Informationslieferant und auch diese Informationen müssen geplant, erstellt und verwaltet werden.

    Content ist nicht gleich Content

    Eine Sache ist mir  besonders aufgefallen: der Content-Begriff wurde hier weit gefasst und nicht nur auf technische Kommunikation im Sinne von Anleitungen begrenzt. Bei „Content Strategy“ geht es darum, eine ganzheitliche Produktkommunikation aufzubauen, oder wie es Noz Urbina sagte: „Breaking down information silos.“

    Technische Kommunikation ist dann eigentlich „nur“ ein Teilaspekt, aber das Know-How, dass die technischen Redaktionen vielfach im Bereich des Single-Source-Publishing besitzen, macht sie sicherlich zu denjenigen in einer Firma, die prädestiniert sind, eine solche Produktkommunikation mit umzusetzen. In der TR hat man sich einfach schon mit allen Fragen des Contents beschäftigt, die bei den anderen Abteilungen vielleicht jetzt erst zum Thema werden.

    Zum Blogpost von techwriterkai gab es hierzu auch einen umfassenden Kommentar von Scott Abel, der auch nochmal herausstellt, dass es für ein tatsächliches Umsetzen von einer „Content Strategy“ fast noch wichtiger ist, z.B. supergut präsentieren zu können, sich in Manager hineindenken zu können, sich mit Dingen wie ROI etc. auseinander setzen zu können.

    Nur: Wo lernt man solche Dinge eigentlich? Kann man sie lernen? Sollten solche Aspekte stärker im TR-Studium berücksichtigt werden? Im Aufbaustudium zur Führungskraft Technische Redaktion der tecom.ch ist z.B. ein Block „Kommunikation im Unternehmen“ drin, was ich sehr interessant finde. Ich hatte das z.B. gar nicht im Studium und habe da dann eher von Kollegen lernen müssen, die schon länger im Spiel sind.

    Fazit

    Ich mag meinen Beruf, weil er mir so viele Entwicklungsmöglichkeiten bietet (ok, manchmal verdamme ich das auch, denn man muss sich ja doch auch für etwas entscheiden 😉 ). Deswegen finde ich es immer spannend, neue Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. Und hier ist es eben der Fakt, dass es vielleicht in Zukunft nicht mehr nur bei der technischen Kommunikation bleiben wird.

    Oder wie Scott Abel bei Kai kommentierte:

    It’s an exciting time to be in the content industry.

  • Umfrage: Wer nutzt eigentlich DITA?

    Ich melde mich aus dem Blog-Nirwana und will zu allem Überfluss, dass meine Leser mal ganz kurz aktiv werden. Ganz schön frech 😉

    Ich habe auf diversen Konferenzen schon mal hier und da nachgehakt, wer in Deutschland denn eigentlich mit DITA arbeitet. Es gibt immer zahlreiche Vorträge, die auch gut besucht sind, aber wer arbeitet denn wirklich damit?

    Kurz: Mich interessiert sehr wie verbreitet der Einsatz meines Lieblings-Standards eigentlich ist und daher starte ich eine ganz einfache Ja/Nein-Umfrage. Vielleicht mag der eine oder die andere auch kurz kommentieren, warum man damit arbeitet / nicht arbeitet, wie die Erfahrungen sind etc. Bitte gerne weiterleiten, retweeten, liken, plussen 🙂

    [poll id=“2″]

  • Jeder kann schreiben

    In diesem Beitrag zum Beruf des technischen Redakteurs habe ich bereits den Punkt „Undankbarkeit“ erwähnt. Wann immer es um Text (und auch um Grafik, wie ich von befreundeten Grafik-Designern weiß) geht, hat die Allgemeinheit die Vorstellung: „Ja, das schreib ich schnell selber zusammen.“ Oft kommen dabei Texte raus, die einem textliebenden Menschen den Magen umdrehen – egal ob es um Anleitungen,  E-Mail-  oder Anwendungstexte geht.

    Was ist „guter Text“?

    Ich führe die Diskussion, warum eben nicht jeder gut schreiben kann, ziemlich oft. Sehr gerne auch mit Entwicklern, die glauben, sie könnten die kleine Fehlermeldung mal eben schnell selber schreiben. Die Sache ist die: einige wenige können sogar ganz gute Texte schreiben, aber sehr viele eben nicht.

    Dabei fällt es mir teilweise schwer, überhaupt zu vermitteln, warum eben die Profis an die Texte gelassen werden sollten und warum es tatsächlich eine halbe Stunde bis Stunde dauern kann einen bestimmten Absatz zu formulieren bis er wirklich gut ist. Irgendwelche Messkriterien für guten Text will ich jetzt schon mal gar nicht beachten, denn bisher hat mich noch nichts überzeugen können.

    Für solche Diskussionen lege ich mir gerade eine kleine persönliche Sammlung an, die textliche „Lowlights“ aus den Bereichen Doku oder Software-GUI enthalten soll, die mir in den letzten Jahren so untergekommen sind – und die dazugehörige Überarbeitung natürlich. Dabei geht es mir nicht um Übersetzungsfehler, sondern die Patzer, die eben schon im Quelltext entstehen (und dann vielleicht zu noch kurioseren Übersetzungen führen). Einige werde ich mit euch teilen, andere werde ich nur im Offline-Leben aus der Kiste zaubern können.

    Meine Hoffnung ist, dass ich mit solchen konkreten Beispielen diese abstrakte Tätigkeit „Text schreiben“ mal irgendwie greifbarer machen kann.

    Warum muss es ein technischer Redakteur sein?

    Bei der DITA Europe Conference in Wien habe ich einen Partnervortrag von Tony Self gesehen, bei dem ein „Doku auf DITA umstellen“-Projekt vorgestellt wurde. In diesem Projekt wurde beschlossen, dass in der Firma gescheite Kundendokumentation benötigt wird (yay!). Da man aber keine Redakteure hatte, rekrutierte man aus der Qualitätssicherung rund um die Welt Mitarbeiter, die „nebenbei“ noch schreiben sollten. Für das „Drumherum“ und für die Organisation dessen holte man sich immerhin Tony ins Boot. Aber ehrlich gesagt hat mich dieses Vorgehen baff gemacht und es kamen mir sorgenvolle Gedanken wie „Wenn das jetzt immer mehr so machen, weil es ‚gut genug‘ ist, was ist dann meine Ausbildung noch wert?“.

    Beim Thema „TR-Redaktionssystem“ bemerke ich inzwischen auch oft, dass die Leute denken, dass man da einfach jeden davor setzen können muss. Ich vermute, dass dieser Irrglaube von der unglückseligen Benennung „Redaktionssystem /CMS“ herrührt, die die meisten Leute eben doch an ein Web-CMS denken lässt. Und bei einem Web-CMS ist es ja das Wichtigste, den Leuten das Editieren piepeinfach zu machen.

    Ein TR-Redaktionssystem soll das Editieren zwar auch einfach gestalten und die Leute von Technik und Layout fernhalten, aber der Punkt ist, dass hier doch sehr viel Basiswissen da sein muss, damit man so ein System effizient nutzt, z.B. in Sachen Modularisierung, Wiederverwendung, bedingtem Text, Übersetzungsmanagement, Standardisierung etc.

    (Ich will damit übrigens nicht sagen, dass ein TR unbedingt studiert haben muss. Wie überall gibt es auch hier sehr gute Quereinsteiger. Aber wenn man hergeht und einfach irgendjemanden nimmt und mit der Aufgabe ein Handbuch zu schreiben vor ein Redaktionssystem setzt… Naja, lustig wird das ziemlich sicher nicht… )

    Auf in den Kampf

    Ich will mir in der nächsten Zeit mal Gedanken dazu machen, wie ich fachfremden Leuten besser klar machen kann, was wir TRler eigentlich machen und warum wir es machen sollten und es nicht jeder kann. Und zwar einerseits in Hinblick auf das Thema „Schreiben“, aber auch im Hinblick auf Sachen wie „CMS/Übersetzungsmanagement/Workflows“.  Das wird ne recht schwierige Sache, aber hey – Informationsvermittlung sollte doch für eine/n TR kein Problem sein  😉

    Und wie führt ihr diese Diskussionen? Oder müsst ihr die etwas gar nicht führen? 🙂

  • Linkklassen und Usability

    Das DITA-Open Toolkit unterscheidet im XHTML-Output zwischen Links auf Concepts, References und Tasks. Konkret werden die Links wie hier angezeigt:

    Mal abgesehen davon, dass die vom Open Toolkit mitgelieferten deutschen Standard-Überschriften „Zugehörige Konzepte/Tasks“ etwas wunderlich klingen, bin ich persönlich kein Freund dieser Aufteilung der Links.

    Ich habe z.B. an der Hochschule gelernt, dass solche Topic-Beziehungen klassifiziert und standardisiert werden sollten. Zum Beispiel indem man festlegt, welche Topictypen einander verlinken dürfen und wie. Das finde ich auch absolut okay und notwendig, denn so kann man verhindern, dass unsinnige Link-Urwälder entstehen in denen jedes Topic jedes andere Topic verlinkt, was dann am Ende nicht mehr sehr hilfreich für den Nutzer ist.

    Aber: ich bin mir nicht sicher, ob diese Klassifizierung dem Nutzer an dieser Stelle unbedingt so vermittelt werden muss. Hat der Nutzer tatsächlich etwas davon, wenn ich ihm sage: hier kannst du verwandte Anleitungen finden und hier verwandte Erklärungen? Manchmal weiß der Nutzer doch selbst gar nicht so genau was er sucht und ist so eine Klassifizierung nicht vielleicht einfach nur ein Stolperstein?

    In meinen Augen ringt so eine Aufteilung dem Nutzer noch einmal eine Entscheidung zuviel ab, die er auf der Suche nach der passenden Information treffen muss.  Er muss sich dann nochmal fragen: „Ja, was such ich denn eigentlich?“ und ehrlich gesagt ist man nicht in der Stimmung über so etwas nachzudenken, wenn man Hilfe sucht. Daher plädiere ich dafür verwandte Links unter einer Überschrift zusammenzufassen. Mir geht diese Aufteilung auf Nutzerseite einen Schritt zu weit und sie hat so ein bisschen was von „Ich mach es so. Weil ich es kann.“

    Wie seht ihr das? Was macht ihr mit Links auf verwandte Themen und warum?

  • tekom 2010: Documentation for Software Engineers

    In meinem ersten Job wurde ich zur Betreuung der internen Dokumentation und des Firmen-Wikis eingestellt. Die Vision damals war, dass ich mal tüchtig aufräume und danach alle Abteilungen in der Firma tolle Dokumentation haben. Nun, das wäre super gewesen 🙂 Aber ich musste feststellen, dass das so einfach nicht ist. Es kommt zum einen darauf an, um was es sich für eine Abteilung handelt ( PR? Marketing?Personal? Entwicklung? Wenn ja, welche Richtung? etc), denn die Anforderungen sind dann natürlich unterschiedlich. Dazu hätte ich mich im Detail mit jeder Abteilung und ihrer Dokumentation auseinander setzen müssen. Eine Person alleine kann das für eine große Firma nicht schaffen – und: die Abteilungen müssen am Ende trotzdem auch immer noch selbst Dokumentation schreiben. Das war für die meisten die größte Überraschung damals 😉

    In dem Vortrag „Documentation for Software Engineers“ von Ulrike Parson habe ich nun einiges erfahren, wie man das Thema interne Dokumentation angehen kann. Und es hat meine oben erwähnten Erfahrungen bestätigt.

    Zielgruppen
    Auch bei interner Dokumentation ist es wichtig sich über die Zielgruppe Gedanken zu machen. Das wird bei diesem Thema oft vergessen – es ist ja „nur“ für intern. Die Zielgruppe ist hier der Software-Entwickler und seine verschiedenenen Ausprägungen. Frei übersetzt teilte Ulrike Parson sie wie folgt auf:

    • Den Praktiker:
      • will loslegen
      • benötigt Code-Kommentare, Code-Beispiele
    • Den Gründlichen:
      • liest zuerst einmal die Grundlagen
      • benötigt Hintergrundinfo zu API/Framework, Beschreibung allgemeiner Programmieraufgaben (Error handling, Lokalisierung &Co.)
    • Bedarfsleser
      • Liest bei konkreten Fragen nach
      • Benötigt Code-Kommentare, Hintergrundinformationen und Code-Beispiele

    Anhand dieser Zielgruppenanalyse schlüsselt sie dann auf, welche Dokumenttyen geliefert werden müssen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Und auch wie sie geliefert werden müssen, z.B. als PDF oder Wiki mit Feedback-Funktion, Index etc.

    Die Rolle des technischen Redakteurs
    Ich habe von Entwicklern schon so oft gehört, dass sie endlich mal dokumentieren müssten oder endlich mal „gescheit dokumentieren“ müssten. Gleichzeitig hab ich mich immer gefragt: wie könnte ich dabei helfen? Immerhin heißt es doch auch „technische Dokumentation“, was ich studiert habe 😉

    Inwieweit der technische Redakteur die Entwickler beim tatsächlichen Dokumentieren unterstützen kann, hängt natürlich stark davon ab, wieviel Programmierwissen und -erfahrung er selbst hat. Aber es ist ununmgänglich, dass die Entwickler auch selbst dokumentieren – wer etwas selbst macht, weiß einfach am besten darüber Bescheid. Frau Parson hat sehr schön gezeigt, dass der Redakteur auch ohne selbst viel zu schreiben, doch sehr viel hier mitarbeiten kann.

    So können die Aufgaben des Redakteurs aussehen:

    • Zielgruppen- und Bedarfsanalyse
    • Dokumentationsworkflows erstellen
    • Terminologie erarbeiten, pflegen und bereitstellen
      • gerade in der Entwicklung lebt so manch uralter produktname ewig weiter
      • Missverständnisse untereinander werden vermieden
    • Neue Texte redigieren/korrigieren
    • Neue Texte evtl. schreiben
    • Strukur der Dokumentation entwickeln und überwachen
    • Dokumentvorlagen bereitstellen

    Und wenn man sich das mal genau anschaut, sieht man wieder, dass das ganz klassische Redakteursaufgaben sind. Nur ist der Fokus nicht so sehr darauf alles auch selbst zu schreiben, sondern viel mehr zu recherchieren, strukturieren, den Entwicklern eine Basis zu geben.

    Als praktisches Beispiel wurde abschließend noch ein Wiki gezeigt, das vor allem von den Entwicklern befüllt wird. Von der Redakteursseite wurde eine Grundstruktur angelegt und auch verschiedene Templates, damit die Entwickler nicht vor einer weißen Seite stehen und nicht wissen wo sie anfangen sollen. Der Redakteur überwachte nun die Entwicklung der Dokumentation und greift hier und da korrigierend ein. Zudem gibt es einen Freigabeprozess, so dass man auch wirklich nur qualitativ hochwertige Dokumentation publiziert.

    Für den einen oder anderen Software-Entwickler klingt das ganze vielleicht nach zu viel Reglement, aber ich habe schon zuviel schlechte und veraltete SW-Dokumentation gesehen und das klingt für mich nach einem plausiblen Weg aus der Misere.

    Fazit

    Ein hochinteressanter Vortrag (als PDF), der auch mal neue Wege für Redakteure aufgezeigt hat, die nicht in der klassischen Schiene liegen, aber am Ende doch perfekt auf das Skillset passen. Vielen Dank dafür! 🙂

  • tekom Jahrestagung 2010 – Rückblick

    So, es ist geschafft 🙂

    Ich habe den Beinahe-Laptopausfall und die Vor-Vortrags-Nervosität halbwegs überstanden und ich denke, mein Vortrag ist ganz gut angekommen. Aber Genaueres weiß ich erst, wenn die Feedback-Bögen eintreffen. Und da bin ich äußerst gespannt! Meine Folien werde ich demnächst hier veröffentlichen sind nun unter Downloads erhältlich.

    Nun, wie sah es mit dem Rest der Tagung aus?

    Das Zielgruppen-Problem

    Bei mir und bei vielen anderen (u.a. auch im neuentdeckten Blog von Jason A. Nichols), herrschte ein wenig Unmut darüber, dass man in vielen Fortgeschrittenen- oder Experten-Vorträgen dann doch wieder mit sehr vielen Basics konfrontiert wurde. Ich weiß schon gar nicht mehr in welchem Vortrag das war, aber als man anfing uns zu erklären, dass Standards gut sind, da kam ich mir etwas veräppelt vor (das gehört für mich zur Grundausstattung des Redakteurs!). Vielen fiel es sichtlich schwer, den Vortrag zielgruppengerecht aufzubereiten. Vielleicht fehlt aber auch ein genaue Beschreibung der Klassifikationen „Einsteiger – Fortgeschrittene -Experten“? Ich habe mir rückblickend nämlich überlegt, dass ich meinen Vortrag wohl besser als „Für Experten“ eingestuft hätte, aber so richtig sicher bin ich mir nicht. Daher mein Vorschlag an die tekom, da vielleicht mal den Versuch einer detaillierten Klassifikation zu starten. Als Zuhörer ist es wirklich sehr ärgerlich, wenn man sich in einem Vortrag wiederfindet, der einfach gar nicht passt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele die Investition in die nächste Tagung nochmal gut überlegen.

    Die Idee von Urs Klenke nicht mehr so viele verschiedene Vorträge anzubieten, aber dafür ausgewähltere und diese auch zu wiederholen, finde ich prinzipiell auch ganz gut, wobei es organistorisch bestimmt ziemlich kompliziert wäre…

    iPad, iPhone, ePub

    Das war definitiv der Hype in diesem Jahr. Vieles war hier noch recht theoretisch – ich hoffe im nächsten Jahr auf erste richtige echte Beispiele!

    User assistance

    Der Hype dauert immer noch an, wobei ich da weiterhin hoffe, dass es auch hier noch mehr echte Beispiele geben wird. Die Theorie ist so langsam bekannt – jetzt will ich sehen was andere machen 🙂

    … und der Rest

    Es war einfach mal wieder nett so komplett unter „seinesgleichen“ zu sein und sich über das Fach austauschen zu können – und auch so einige Leute mal „in echt“ zu treffen 😉 Zielgruppen hin oder her – es waren immer noch Vorträge dabei, die einem hier und da wieder einen neuen Denkanstoß gegeben haben. Ich werde mir zum Beispiel in nächster Zeit einige Gedanken dazu machen, wie ich eventuell eine Verknüpfung meiner Hilfedateien mit den Textdateien unserer Applikationen hinbekommen kann, so wie in dem Vortrag „User Interface-Texte in der Dokumentation„.

    Und last but not least: endlich ist mir bei einem von Tony Selfs Vorträgen eine Frage eingefallen! Dafür wird man nämlich mit einem echten Aussie-Koala belohnt 😉

    Tony-Self-Koala

    EDIT: einen interessanten Rückblick bietet auch Sarah.

  • Redakteuse live – tekom Jahrestagung 2010

    Die alljährliche tekom-Jahrestagung rückt näher und ich freu mich schon riesig.

    Noch mehr freue ich mich, wenn ich den einen oder anderen Leser für meinen Vortrag „User assistance mit DITA“ gewinnen kann – gerne auch die Kollegen mitbringen 😉

    Hier nochmal als Erinnerung, wann und wo ihr mich dort finden könnt:

    User assistance mit DITA – Do 04.11., 11:15 Uhr, Raum 6.2

  • Muttersprachen-Prinzip

    Mein letzter Blogpost wurde netterweise von Sarah O’Keefe übersetzt und im Scriptorium-Blog „wiederverwendet“. In Anbetracht der durchaus großen englischsprachigen Blog-Szene im Bereich Technische Redaktion habe ich mir schon oft überlegt auf Englisch zu schreiben, weil ich damit vermutlich ein größeres Publikum erreichen würde. Und Sarah hätte hier einfach nur verlinken können 😉

    Warum ich es nicht mache? Deutsch ist meine Muttersprache. Mein Englisch ist durchaus gut – ich habe ein recht gutes Sprachgefühl und kann einigermaßen flüssige Konversationen halten, wenn ich mich warmgeredet habe. Aber es kostest mich unglaublich viel mehr Zeit einen englischen Text zu verfassen, der in Inhalt und auch Ausdruck genauso rüberkommt wie eine deutsche Version. Da steht mir mein englisches Sprachgefühl sogar ein bisschen im Weg, weil ich irgendwie merke, wenn der Satz nicht passt, aber es nicht besser machen kann. Am Ende kann ich mir nicht sicher sein, dass der Text wirklich so rüberkommt, wie ich es mir gedacht habe, weil dafür dieses letzte Stück Sprachgefühl fehlt, das man nur bekommt, wenn man in der entsprechenden Kultur lebt oder aufgewachsen ist. Ganz zu schweigen davon, dass der enorme Zeitaufwand das Schreiben an und für sich vermutlich sehr schnell komplett lähmen würde…

    Für mich heißt das „Muttersprachen-Prinzip“ Texte ausschließlich in meiner Muttersprache zu verfassen, für einen Übersetzer heißt es ausschließlich in seine Muttersprache zu übersetzen. Am eigenen Leib erfahre ich oft, dass ich nur nach diesem Prinzip schreiben sollte. Doch immer wieder lese ich in Stellenanzeigen für Technische Redakteure die Anforderung „Dokumentation in deutscher und englischer Sprache“ verfassen. Und jedes Mal bin ich ein klein wenig ärgerlich, dass solche Anforderungen gestellt werden. Ein Grund für die Firmen ist sicherlich, dass es kostengünstiger und schneller ist, den Quelltext sofort in Englisch zu erstellen. Gerade wenn man in „exotischere“ Sprachen (asiatische Sprachen zum Beispiel) übersetzt, ist es leichter Übersetzer mit dem Sprachpaar „Koreanisch-Englisch“ zu bekommen als „Koreanisch-Deutsch“.

    Fazit
    Ich glaube, der Endkunde wird es immer irgendwie merken, wenn ein Nicht-Muttersprachler einen Text geschrieben hat. Zumindest hab ich die Erfahrung schon oft gemacht. Viele beachten diesen Aspekt nicht, wenn es um das Schreiben oder Übersetzen geht, bzw. ist er ihnen nicht bewusst. In der Realität sieht es nun aber leider doch so aus, als ob man als deutschsprachiger Redakteur auch immer öfter Englisch schreiben muss. Zu Lasten der Qualität… Aber vermutlich setzen hier viele Firmen auf das oft zitierte „Gut genug“.