So, bevor ich in mein wohlverdientes Wochenende bei 26°C entschwinde, hier noch schnell die ersten Eindrücke, so lange sie noch frisch sind 😉
Ich war bisher noch auf keiner Frühjahrstagung, aber da sie diesmal in meiner schönen Heimatstadt Karlsruhe stattfand, gab es keine Ausrede. Erster Eindruck: sehr familiär im Vergleich zur riesigen Jahrestagung. Die Frühjahrstagung ist einige Nummern kleiner. Den bleibendsten Eindruck des ersten Tages hat die Keynote gemacht:
Marc Hassenzahl „Freude durch Technik? Vom Vermeiden von Problemen zum freudvollen Erlebnis“
Die Tagung begann mit einem „Exoten“ unter all den Redakteuren, wie er sich selbst nannte: Marc Hassenzahl, Psychologe und Professor im Industrial Design an der Folkwang Universität der Künste in Essen.
Die Keynote hat mir sehr gut gefallen: es dreht sich rund um das Gestalten von Erlebnissen. Die zentrale Erkenntnis ist, dass in der heutigen Gesellschaft kein besitzorientiertes Denken mehr herrscht („Ich bin so toll, ich fahre nen Mercedes.“), sondern dass Erlebnisse in den Vordergrund rücken („Ich habe den Yeti am Mount Everest gesehen.“). Wir wollen also ein Produkt, das Spaß macht, uns positive Erlebnisse verschafft. Die wahnwitzigsten und ausgefeiltesten Funktionen helfen nicht, wenn das Ding keinen Spaß macht! Als Beispiel für ein gelungenes erlebnisorientiertes Produkt nannte Hassenzahl u.a. das Wake-Up Light von Philipps, das einen sanft mit immer heller werdendem Licht weckt. Es sei kein besonders hübsch designtes Produkt und auch die Funktion wäre im Endeffekt nur eine Zeitschaltuhr mit Glühbirne – aber es verschafft dem Benutzer ein gutes Erlebnis, wenn er jeden Morgen sanft davon geweckt wird. Und das kann ich auch aus ganz eigener Erfahrung bestätigen 🙂
Im Fokus der Produktentwicklung muss also eigentlich erst die Erlebnisentwicklung stehen: man muss sich überlegen, was für ein Erlebnis man schaffen will und dann das zugehörige Produkt bzw. dessen Funktionen designen. Plakativ gesagt: Form follows fun.
Ich fand diesen nicht direkt redaktionsbezogenen Vortrag sehr erfrischend – und exotisch war er für die Welt der technischen Redakteure ganz uns gar nicht. Das hätte ich Marc Hassenzahl noch gerne gesagt 🙂 Schließlich sind wir ja federführend an der Erstellung von Produkten beteiligt, und zwar: Informationsprodukten. Diese gehören zum eigentlichen Produkt und müssen genauso Teil eines positiven Produkterlebnisses sein. Der Vortrag hat auf jeden Fall Spaß gemacht und mir einige neue Perspektiven gezeigt. Gerne mehr davon!
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