Linkklassen und Usability

Das DITA-Open Toolkit unterscheidet im XHTML-Output zwischen Links auf Concepts, References und Tasks. Konkret werden die Links wie hier angezeigt:

Mal abgesehen davon, dass die vom Open Toolkit mitgelieferten deutschen Standard-Überschriften „Zugehörige Konzepte/Tasks“ etwas wunderlich klingen, bin ich persönlich kein Freund dieser Aufteilung der Links.

Ich habe z.B. an der Hochschule gelernt, dass solche Topic-Beziehungen klassifiziert und standardisiert werden sollten. Zum Beispiel indem man festlegt, welche Topictypen einander verlinken dürfen und wie. Das finde ich auch absolut okay und notwendig, denn so kann man verhindern, dass unsinnige Link-Urwälder entstehen in denen jedes Topic jedes andere Topic verlinkt, was dann am Ende nicht mehr sehr hilfreich für den Nutzer ist.

Aber: ich bin mir nicht sicher, ob diese Klassifizierung dem Nutzer an dieser Stelle unbedingt so vermittelt werden muss. Hat der Nutzer tatsächlich etwas davon, wenn ich ihm sage: hier kannst du verwandte Anleitungen finden und hier verwandte Erklärungen? Manchmal weiß der Nutzer doch selbst gar nicht so genau was er sucht und ist so eine Klassifizierung nicht vielleicht einfach nur ein Stolperstein?

In meinen Augen ringt so eine Aufteilung dem Nutzer noch einmal eine Entscheidung zuviel ab, die er auf der Suche nach der passenden Information treffen muss.  Er muss sich dann nochmal fragen: „Ja, was such ich denn eigentlich?“ und ehrlich gesagt ist man nicht in der Stimmung über so etwas nachzudenken, wenn man Hilfe sucht. Daher plädiere ich dafür verwandte Links unter einer Überschrift zusammenzufassen. Mir geht diese Aufteilung auf Nutzerseite einen Schritt zu weit und sie hat so ein bisschen was von „Ich mach es so. Weil ich es kann.“

Wie seht ihr das? Was macht ihr mit Links auf verwandte Themen und warum?

Und es hat Bing gemacht!

Mich hat der Hype um Microsofts neue Suchmaschine Bing relativ kalt gelassen, weil…naja, seien wir mal ehrlich… wann hat einen zuletzt was aus diesem Softwarehause schon groß umgeworfen?

Nun mehren sich die Meldungen, dass der Marktanteil steigt und ich musste nun doch mal kurz reinschnuppern. „Und es hat Bing gemacht!“ weiterlesen

tekom-Jahrestagung 2008 #2

Was User lieben, was sie hassen
von Peter Hogenkamp (Zeix AG)

Dieser Vortrag war sehr gut besucht – und das zu Recht.

Peter startete den Vortrag mit einer Anekdote darüber, dass er auf dem Weg zur Tagung verzweifelt versuchte die Uhr seines Mietwagens auf Winterzeit zu stellen. Dumm nur, dass Toyota sich bei diesem Auto gedacht hat, dass man diese Aktion aus Sicherheitsgründen nur bei stehendem Auto durchführen darf 😀

Der Vortrag hat sich auf 4 große Bereiche konzentriert.

Suche
Inzwischen ist Google ja das Synonym für Suchen im Netz schlechthin. Jeder mag Google! Und jeder will so etwas Einfaches und gut Funktionierendes wie Google. …oder jedenfalls glaubt jeder, dass er Google will, so Peter.
Denn Google ist absolut prima bei so etwas schwach strukturiertem wie dem Internet, ABER wenn es sowieso darum geht strukturierte Daten zu durchsuchen, sollte man eine differenzierte Suche anbieten. Das heißt, wenn eine Suche über Adressdaten mit Straße, Ort, Telefonnummer etc. läuft, kommen User eher zum Ziel, wenn man ihnen für jeden Datentyp ein dediziertes Suchfeld zur Verfügung stellt. Obwohl sie selber sagen, dass sie sich eigentlich nur ein einziges Feld wünschen.

Gerade der letzte Satz hat mich ziemlich zum Nachdenken darüber gebracht, was man eigentlich so von Userumfragen zu halten hat.

Nutzer verhalten sich aus Entwicklersicht unlogisch.

Kicher… Wer mal einen Usabilitysicht mitgemacht hat, weiß was das heißt! 😉 Beispiel zu dieser Aussage: Die meisten Nutzer ändern bei einer nicht erfolgreichen Suchanfrage ihre Anfrage so, dass sie die bisherige Anfrage um weitere Suchwörter erweitern, anstatt dass sie ganz andere Suchwörter benutzen, wie es ja eigentlich logisch wäre. Der Gedankengang dahinter ist äußerst menschlich: „Na, wenn ich der Suche noch mehr Information zu dem Gesuchten gebe, findet sie’s vielleicht besser.“

Web 2.0 und die Nicht-Standard-Falle
Hier hat Peter einen kurzen Überblick darüber gegeben, was Ajax eigentlich ist und was es konkret für die Nutzer bedeutet. Und dann hat er sich der sog. „Nicht-Standard-Falle“ gewidmet. Sehr guter Begriff, btw 🙂

Sehr gut fand ich dann die Negativbeispiele, die er angeführt hat. Es ging dabei vor allem darum, wie sich die Entwickler oder Conceptioner vor lauter Ajax-Möglichkeiten dazu verleiten lassen, alterhergebrachte, weit verbreitete, gute funktionierende Funktionen und Metaphern mit Ajax-Füßen zu treten.

  • oftmals kein Springen durch Formularfelder mithilfe Tabulator möglich
  • bei Drop-down-Menüs bewirkt das Eintippen von Buchstaben/Zahlen nicht, dass das Menü zum Buchstaben/zur Zahl springt
  • bei Scroll-Balken funktioniert nur der Balken, aber nicht die kleinen Pfeile an den Enden des Balkens

Kurz: man baut sich alles neu, weil man’s kann und vernachlässigt dem User vertraute Standards.

Mobiles Internet

Hier ging es ein bisschen um die Zukunftsmusik, das wir nun zunehmend mobil im Internet unterwegs sein werden und wie gerade das iPhone dieser Entwicklung einen gewaltigen Schub versetzt hat. dafür sind aber viele Websites noch nicht gerüstet. Denn wer einmal versucht sich beispielsweise die tekom-Seite auf dem iPhone anzuschauen, kommt aus dem Scrollen nicht mehr raus (das hat für einige Lacher gesorgt…). Ein mobile Theme, das automatisch auf die Seite angewandt wird, wenn sie von einem mobilen Gerät aus angeschaut wird, wäre hier Gold wert.

Darüber hinaus kam auch noch Kritik an den Mobilfunk-Providern auf den Tisch, die mit unattraktiven Tarifen die „mobile Revolution“ noch einschränken.

We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and we tend to underestimate the effect in the long run. (Amara’s law)

User-centered design

Für dieses Thema blieb leider nicht mehr viel Zeit. Peter stellte vor, wie Usability eigentlich idealerweise in Projekte miteinbezogen werden sollte. Und auch hierbei war, wie gerade überall, das Zauberwort: iterativ.

Man sollte so früh wie möglich im Entwickungszyklus mit Prototypen beginnen. Sei es anfangs nur Papier, dann irgendwann billige HTML-Seiten oder Flash-Prototypen. Hauptsache, die Produktentwickung bezieht ihre Zielgruppe mit ein: die User!

Fazit

Ein sehr lohnenswerter Vortrag bei dem viel gelacht wurde und man einiges Interessantes erfahren konnte, gerade die Sache mit der Suche und der Nicht-Standard-Falle fand ich sehr am Puls der Zeit. Man muss vor lauter Hipness eben auch ein bisschen am Boden bleiben 😉

Ich habe mir eigentlich mehr Bezugnahme zur technischen Dokumentationen erwartet: also was lieben User an der Doku und was hassen sie, aus Usability-Sicht. Der einzige Bezug wurde am Ende kurz eingeworfen: Prototypen könnten ja auch für neue Hilfeformen gemacht werden, um sie dann am User zu testen. Davon noch mehr und ich wäre galaktisch begeistert gewesen 😉

Wer mehr wissen möchte und Lust auf ein paar Usability-Schmankerl hat, möge hier reinschauen: http://blog.zeix.com.