Software-Lokalisierung für Technische Redakteure

In der Softwarebranche kommen technische Redakteure früher oder später mit dem Thema „Oberflächentexte“ in Berührung. Ob sie sie schreiben oder nur verwalten dürfen, variiert von Firma zu Firma.

Bei mir gehört das Betexten der Oberflächen zum Arbeitsalltag und hier möchte ich gerne mal berichten, wie sich das gestalten kann.

Terminologiekontrolle, Hilfe und Beta-Test
Ich sehe es als klaren Vorteil, dass ich die Produkte betexten darf. So kann ich nämlich von vorneherein für eine entsprechende Textqualität sorgen – mit dem richtigen Text in der Software entfällt oft so mancher Hilfetexte. Ich denke, jeder Redakteur musste schon die ein oder andere krude Formulierung von Entwicklern oder Produktmanagern umständlich in der Hilfe erklären…

Für einen Redakteur ist das Betexten der Oberfläche also eine wunderbare Möglichkeit, um für Verständlichkeit und Terminologiekontrolle zu sorgen, aber sie eignet sich auch wunderbar zur Recherche für die späteren Hilfetexte. Dabei ist man dann gleich Beta-Tester, der schon weit vor der Qualitätssicherung die ersten Bugs findet. Ich finde das sehr spannend, weil ich gerne Applikationen neu entdecke und dabei der erste Usability-Tester bin 🙂

Ein Feld, das sicher noch stärker von Redakteuren erobert werden muss 🙂

Wie funktioniert Software-Lokalisierung?
Nun aber mal zu den technischen Grundlagen: Glücklich kann man schon mal sein, wenn der Text überhaupt vom Code getrennt ist 😉 In der Regel machen das die meisten Software-Entwickler auch automatisch so. Erstens ist es für Entwickler übersichtlicher. Zweitens kann man so die Applikation leichter in verschiedenen Sprachen betreiben, was auch meistens gefordert ist.

Gerade im Web-Bereich gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Anwendungsbetextung.
Gemeinsam ist den meisten, dass man man pro Sprache eine große Datei mit dem gesamten Anwendungstext hat. Für jede Stelle an der Text erscheinen soll, wird in der Software eine ID vergeben. Dieser ID ist dann in der Datei beliebiger Text zugeordnet: ein Wort oder sogar ganze Sätze.

Nehmen wir als Beispiel mal WordPress, die Blog-Software, die ich hier benutze. Im Screenshot seht ihr den deutschen Text angezeigt:
GUI_WP

Und hier seht ihr, wie das ganze in der Sprachdatei aussieht:

#: wp-admin/edit-page-form.php:202
msgid "pub_202"
msgstr "<b>Sofort</b> publizieren"

Die ID pub_202 wird in der Software als Platzhalter verwendet und je nach gewünschter Sprache wird der dazugehörige Text entweder aus einer deutschen oder bspw. englischen Sprachdatei gezogen. In der englischen Sprachdatei sieht der Eintrag so aus:

#: wp-admin/edit-page-form.php:202
msgid "pub_202"
msgstr "Publish <b>immediately</b>"

Bei einer Software wie WordPress kommt man auf stolze 3342 Texteinträge (Einträge, nicht Wörter!).

Soviel zu dem Grundlegendsten. Wie solche Dateien nun editiert werden können, was es bei der Software-Lokalisierung zu beachten gilt und welche Felsen man wie umschiffen kann… das seht ihr in den bald folgenden Posts 🙂

Community-Übersetzungen mit Google Translate

Es ist der Traum eines jeden Budgetverantwortlichen: „Wir stellen den zu übersetzenden Text ins Internet und die Community macht den Rest. Bei Wikipedia klappt das doch auch und bei dem ganzen Open-Source-Kram. Die Leute machen das umsonst.“ Facebook setzt schon voll auf die Community bei diesen Dingen.

Google Translate

Bevor ich weiter in die „Ja, aber im professionellen Umfeld kann man doch nicht…“-Diskussion einsteige, gehe ich einen Schritt zurück und widme mich einer der aktuellsten Google-Neuheiten: Google Translate (oder „Google Übersetzer“ wie er auf Deutsch heißt).

Google hat ein neues Tool mit einem neuen Ansatz entwickelt:

Wir geben unzählige Texte mit Milliarden von Wörtern in den Computer ein. Dabei handelt es sich sowohl um einsprachigen Text in der Zielsprache als auch um abgeglichene Beispielübersetzungen von Menschenhand. Anschließend wenden wir statistische Lerntechniken zur Erstellung eines Übersetzungsmodells an. Bei den Auswertungen haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. (Quelle)

Google-Translate ist ein Online-Übersetzungsservice, den jedermann ziemlich einfach nutzen kann.

Übersetzen lassen

Man kann eine Übersetzungsfunktion in seine Homepage einbinden, die es den Lesern ermöglicht die Seite mit 2 Klicks in einer anderen Sprache anzeigen zu lassen.

Um eine Webseite in einer völlig fremden Sprache wenigstens ein bisschen zu verstehen, ist das oft schon genug. Hier und da ist die Satzsstellung nicht ganz korrekt, aber wie bei einer Unterhaltung mit einem fremdsprachigen Menschen, kann man sich auch erstaunlich viel zusammenreimen / ableiten. Dennoch stößt man noch auf genug der eher ulkigen Sätzen, die noch zeigen, dass eine automatische Übersetzung nicht an einen Muttersprachler heranreicht. Das sagt Google aber auch selbst klipp und klar. Diese Funktion erschließt einem also einen noch viel größeren Teil der im Netz verfügbaren Information.

Selbst übersetzen

Soweit die eher passive Komponente. Kommen wir zu dem Teil bei dem man als Teil der  Community aktiv werden  kann.

  1. Hierzu installiert man die Google Toolbar in seinen Browser.
  2. http://translate.google.com/translate_tools?hl=de aufrufen.
  3. Die Schaltfläche mit der gewünschten Zielsprache (also die Sprache in die man übersetzen möchte) auf die Lesezeichenleiste (Anmerkung an Google: Fehler in der Doku: Toolbar wird hier falsch verwendet) ziehen.
  4. Eine Seite aufrufen, die man übersetzen möchte (hier www.idratherbewriting.com).
  5. Danach auf den Link in der Lesezeichenleiste klicken.

Nun wird die Seite vorübersetzt, sofern möglich, angezeigt. Sobald man seine Maus über einen Absatz bewegt, bekommt man die Möglichkeit eine bessere Übersetzung einzugeben.

Klickt man auf den Link, öffnet sich direkt ein kleines Eingabefeld, in das man die Übersetzung eingeben kann. Die Übersetzung landet nach dem Abschicken im Übersetzungsppol von Google.

An diesem Punkt gibt man selbst eine völlig neue Übersetzung ein und hat keine Möglichkeit auf ein TM zuzugreifen, das einem z.B. 80%-Matches anzeigt. Google will hier vor allem soviel Übersetzungssegmente wie möglich sammeln.

Fazit

Aktuell ist es ein Tool, dass es einem ein manches Mal vielleicht ein bisschen einfacher macht auf fremdsprachigen Seiten zu surfen. Ein Szenario, dass eine Firma ihre Kundenwebseite gar nicht mehr übersetzt, sondern einfach nur Google Translate einbindet, scheint mir utopisch. Denn man kann hier nie 100%ig gewährleisten, dass nicht doch Müll auf der Seite steht.

Und bei Googles eigenen, automatisch übersetzten Seiten hätte ich im Übrigens gerade sehr gerne eine korrekte Übersetzung ins Deutsche eingegeben oder versteht das jemand? 😀

In solchen Fällen können Sie ein Translation Memory mit einer Übersetzung, indem Sie folgende Schritte Gesellschafterin

Nachdem ich mir nun Google Translate für jedermann angeschaut habe, kommt demnächst die Profi-Version dran: Google Translator’s Toolkit.

Lokalisierung für Anfänger

Hach, auch ein Global Player wie Hasi und Mausi kann ins Fettnäpfchen treten. Da widme ich mich über die Feiertage dem angenehmen Online-Shopping, als mir die neue Kampagne ins Auge springt. Allerdings weniger wegen der Shirts:

Eingabe? Wieso Eingabe? Was soll ich denn da eingeben? Moment, dem erfahrenen Software-Dokumentar fällt sofort die Eingabe-Taste ein. Und wie heißt die in Englisch? Genau: Enter.

Ne, ne, liebe Leute, auch die 100%-Matches in einem TMS sollte man überprüfen 🙂

Hier die UK-Variante, die etwas mehr Sinn macht!

Links in DITA #2 – Hierarchien und collection-type

Ich habe bereits vorgestellt, welche Möglichkeiten des manuellen Verlinkens es gibt. Wie gesagt, erschwert diese Methodik die Wiederverwendung eines Texts. Da Wiederverwendung jedoch einer der Kernpunkte von DITA ist, gibt es natürlich auch hier Mittel und Wege. Und zwar indem man die Verlinkungregeln in die Maps auslagert. So kann man auch nur das verlinken, was in der Map drin ist und läuft nicht Gefahr tote Links zu erzeigen.
„Links in DITA #2 – Hierarchien und collection-type“ weiterlesen

Membrane

Nachdem ich bei den Kollegen von manualBLOG allerlei Lustiges rund um Lokalisierung/Übersetzung gelesen habe, muss ich einfach mal meinen alten Schatz zeigen.

Ich habe vor Jahren einmal eine sehr, sehr, sehr billige Tastatur erworben. Nach dem Auspacken stellte ich fest, dass sie wirklich billig war und beschloss sie wieder einzupacken und umzutauschen.

Dabei stach mir dieser Text auf der Verpackung ins Auge und ich bekam ein kleines bisschen Mitleid mit diesem „Übersetzer“ 😉