Technische Redaktion – More than words

Vor kurzem gab es ein Ehemaligentreffen an der HS Karlsruhe an der ich meinen Master in Technischer Redaktion gemacht habe und bei dem auch Noch-Studenten dabei waren. Bei dieser Gelegenheit sollten Ehemalige Vorträge über ihre bisherigen Berufserfahrungen halten und da musste ich einfach darüber referieren, wie ich die Technische Redaktion inzwischen sehe :)

Bei der letzten tekom-Tagung wurde ich von Studenten zum Thema “Was gefällt Ihnen besonders an dem Beruf des technischen Redakteurs?” interviewt und spontan war meine Antwort: “Die Vielfalt!” Bei der Erklärung meines Berufs sage ich zwar oft:  “Da schreibt man Hilfen, also Handbücher”, aber tatsächlich macht es doch den kleinsten Teil meiner tatsächlichen Arbeit aus. Und das hätte ich mir zu Studiumszeiten nicht wirklich träumen lassen :) Für mich ist der Beruf der technischen Redakteurin unglaublich facettenreich und ich habe in den letzten Jahren sehr viele Facetten ausprobiert.

Klassische Rollen

Die klassische Rollendefinition wie ich sie aus dem Studium mitgenommen habe, sieht so aus:

rollen_klassisch

Das deckt sich ziemlich mit den Studieninhalten, die man hat. Hm, ist das wirklich alles?

Wie es wirklich sein kann

Die Erfahrungen aus den letzten Jahren ergeben für mich eine deutlichere Erweiterung der möglichen Rollen des Redakteurs:

rollen_moeglich

In meiner Laufbahn hab ich diese Rollen ausprobieren können und durch das Studium hab ich mich trotzdem dafür qualifiziert gefühlt. Denn man lernt ja im Studium nicht nur irgendwelche konkreten Fertigkeiten, also z.B. wie man Handbücher schreibt, sondern auch etwas allgemeinere Konzepte, wie z.B. “Wie mache ich etwas verständlich?”. Und genau das kann einen etwa zum User Experience Designer qualifizieren oder eben zum Produkttrainer. Genauso kann man mit dem Wissen aus Content-Management in den Bereich des Wissensmanagement einsteigen (WMS statt CMS eben ;) ).

Was ihr wollt…

Ich habe zwischendurch immer mal die Phase gehabt, dass ich glaubte doch mal ganz klassisch Handbücher schreiben zu müssen, damit ich mal auch “richtige technische Redaktion” mache. In dieser Zeit war ich äußerst unglücklich bei der Arbeit – es war einfach nichts für mich. Dass es tatsächlich ein unglaublicher Vorteil und total spannend ist, ein Allrounder zu sein (was für mich den TRler ausmacht), hab ich erst später erkannt. Es gibt einem nämlich die wunderbare Möglichkeit sich aus den vielen Richtungen, die man im Studium mitbekommt, eine oder ein paar herauszupicken. Das kann eine eher sprachliche Orientierung hin zum Autor und Terminologen sein oder eine eher technische hin zum XSLT-Entwickler oder Web-Entwickler etc.  Und am Ende steht im Berufstitel auf der Visitenkarte vielleicht gar nichts mit “Redakteur” oder “Writer”, aber wie immer kommt es ja nicht so stark auf die Verpackung an ;) Man muss sich dessen bewusst werden, was einem Spaß macht und einen wirklich interessiert (ja, ich weiß, das ist der schwere Teil). Und das ist meiner Erfahrung nach schon mal die halbe Miete :)

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